Bayerischer Schulverpflegungskongress 2026

Beim Bayerischen Schulverpflegungskongress am 23. September 2026 in Nürnberg wurde deutlich: Gute Schulverpflegung braucht keine Patentlösung, sondern engagierte Menschen, klare Ziele und viele passende kleine Schritte.

Wie kommt gesundes, nachhaltiges und wirtschaftlich tragfähiges Schulessen, das Kinder und Jugendliche gerne annehmen, auf die Teller und in die Mensen? Dieser Frage widmete sich der Bayerische Schulverpflegungskongress 2026. In der Jugendherberge Nürnberg sowie online per Livestream kamen am 23. September 2026 Fachleute aus Schulen, Kommunen, Verwaltung, Wissenschaft und Verpflegungspraxis zusammen.

Gute Schulverpflegung beginnt mit einer gemeinsamen Haltung

Alexandra SchenkZoombild vorhanden

(c) KErn/ Ullrich

Staatsministerin Michaela Kaniber betonte in ihrer Videobotschaft die Bedeutung einer Schulverpflegung, die bei den Kindern und Jugendlichen ankommt. Qualität auf dem Teller sei dafür ebenso wichtig wie eine gute Organisation, engagierte Partner und Lösungen, die sich im Schulalltag bewähren.
Ministerialdirigentin Alexandra Schenk, Leiterin der Abteilung Ernährung und Markt im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus, knüpfte daran an. Bayern verfüge bereits über vielfältige Unterstützungsangebote. Eine zentrale Rolle übernehmen dabei die Vernetzungsstellen Kita- und Schulverpflegung: Sie beraten Schulen und Träger, begleiten Entwicklungsprozesse und bringen bei Bedarf weitere Partner zusammen.

Essen ist mehr als Nährstoffversorgung

Daniel AnthesZoombild vorhanden

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Daniel Anthes zeigte in seinem Impuls, wie Megatrends unsere Essgewohnheiten verändern. Junge Menschen wünschen sich mehr Vielfalt, Wahlmöglichkeiten und kreative Gerichte. Gleichzeitig gewinnt gemeinsames Essen an Bedeutung: In einer Zeit, in der sich viele Jugendliche einsam fühlen, kann die Mensa ein wichtiger Ort für Begegnung und Gemeinschaft sein.
Sarah SchockeZoombild vorhanden

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Sarah Schocke machte anschließend deutlich: Akzeptanz beginnt vor dem ersten Bissen. Speiseplan, Gerichtenamen, Bilder, Raumgestaltung, Wartezeiten und Beteiligungsmöglichkeiten prägen, wie Kinder und Jugendliche das Essen erleben. Ein attraktives Angebot muss sichtbar, verständlich und leicht zugänglich sein.
Beteiligung wird dann glaubwürdig, wenn sie konkrete Veränderungen bewirkt. Schülerinnen und Schüler können Speisepläne mitgestalten, Gerichte auswählen, Räume entwickeln oder Verantwortung für eigene Projekte übernehmen. Denn Schulverpflegung ist nicht nur ein Speiseplan, sondern ein Teil der Kindheit und der schulischen Esskultur.

Qualität muss im Alltag funktionieren

Mathias SchlosserZoombild vorhanden

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Mathias Schlosser von der Jugendherberge Nürnberg rückte die praktische Umsetzbarkeit in den Mittelpunkt. Seine Erfahrung: Gäste nehmen, was sie erkennen und was unkompliziert wirkt. Eine überschaubare Auswahl, klare Kommunikation und gute vegetarische Gerichte funktionieren häufig besser als ein ausladendes Angebot.
Auch Lebensmittelverschwendung lässt sich bereits bei der Planung reduzieren – etwa durch kleinere Startportionen, verständliche Bezeichnungen und das Wiegen von Speiserückläufen.
Dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zusammenpassen können, zeigte auch der schrittweise Ausbau des Bio-Anteils in den bayerischen Jugendherbergen. Entscheidend sei, dass Einkauf, Küche, Leitung, Lieferanten und Gäste gemeinsam an einem Strang ziehen.

Die Mensa als „place to be“

Anif CisseZoombild vorhanden

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Anif Cisse berichtete, wie er als Mensaleitung die wenig beliebte Schulmensa einer Realschule zu einem attraktiven Schulrestaurant entwickelte. Mit kreativen Speiseplänen, Themenaktionen, Teamarbeit und Mut zu neuen Ideen stieg die Zahl der ausgegebenen Essen deutlich an.
Sein Beispiel zeigt: Eine Mensa ist nicht nur Ausgabestelle, sondern auch Aufenthaltsort und Teil der Schulkultur. Atmosphäre, persönliche Ansprache und ein engagiertes Team können ebenso entscheidend sein wie das Gericht selbst.

Regionalität und Ernährungsbildung verbinden

Martin AlbrechtZoombild vorhanden

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Martin Albrecht vom Albrechthof Catering zeigte, wie ein Speisenanbieter vielfältige Anforderungen miteinander verbinden kann: kindgerechte und abwechslungsreiche Speisepläne, Bio- und regionale Lebensmittel, Frische, Wirtschaftlichkeit und faire Arbeitsbedingungen. Der Albrechthof arbeitet mit einer Menülinie für alle, wiederholt Gerichte frühestens nach sechs Wochen und nutzt regionale Lieferbeziehungen – etwa zu Obst- und Gemüsebetrieben sowie zu einer nahegelegenen Mühle. Einsparungen, beispielsweise durch eine Elektrofahrzeugflotte, eine eigene Energieversorgung und den direkten Einkauf bei Erzeugern, schaffen dabei Spielräume für Qualität.
Besonders wichtig ist Albrecht die Verbindung von Verpflegung und Ernährungsbildung. Küchenbesichtigungen, Kochkurse, Ferienprogramme und eine geplante Erlebnisküche machen für Kinder unmittelbar erfahrbar, wo Lebensmittel herkommen, wie sie verarbeitet werden und was zu einer ausgewogenen Ernährung gehört.

Gemeinsam handeln – auch über Gemeindegrenzen hinweg

Susanne Hartmann, Rebecca MühlZoombild vorhanden

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Susanne Hartmann und Rebecca Mühl stellten den Ansatz der Öko-Modellregion Kulturraum Ampertal vor. Dort entwickelten mehrere Gemeinden ein gemeinsames Verpflegungskonzept. Ziel sind einheitliche Qualitätsstandards, mehr Bio und Regionalität sowie eine wirtschaftlich tragfähige Vergabe für rund 1.000 Essen täglich. Das Verpflegungskonzept dient daher auch als Basis für die anstehende geplante interkommunale Vergabe der Verpflegung.
Die interkommunale Zusammenarbeit bündelt Fachwissen, Verwaltungsaufwand und Bestellmengen. Voraussetzung sind eine gründliche Markterkundung, politische Unterstützung und ausreichend Zeit für die Abstimmung.

Der nächste Schritt beginnt vor Ort

GesprächsrundeZoombild vorhanden

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In der abschließenden Gesprächsrunde mit Véronique Germscheid (Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Schwaben), Patricia Gollwitzer (Regierung von Mittelfranken) und Dominik Treml (Verband der Schul- und Kitacaterer) wurde deutlich: Schulen müssen den Weg nicht alleine gehen. Die Vernetzungsstellen Kita- und Schulverpflegung, die Regierungen und weitere Partner unterstützen bei der Bestandsaufnahme sowie bei pädagogischen, baulichen und organisatorischen Fragen. Eine gut geplante Schulverpflegung wünschen sich auch Speisenanbieter. Denn nur mit planbaren Rahmenbedingungen lässt sich eine tragfähige Schulverpflegung anbieten.
Der Kongress machte Mut, nicht auf die perfekte Gesamtlösung zu warten. Eine bessere Schulverpflegung entsteht Schritt für Schritt – durch gutes Essen, klare Abläufe, Beteiligung und Zusammenarbeit. Denn die Mensa ist Verpflegungsort, Bildungsort und sozialer Treffpunkt zugleich.